Bakteriophagen verständlich erklärt

Transparente Informationen über eine vielversprechende Behandlungsoption bei schwer heilenden oder therapieresistenten Wundinfektionen.

Was sind Bakteriophagen?

Natürliche Organismen, die Bakterien gezielt regulieren, allgegenwärtig in Umwelt und Körper und die Grundlage für einen präzisen therapeutischen Ansatz.

Phagen greifen ausschließlich Bakterien an

Bakteriophagen (kurz: Phagen) sind natürliche Organismen, die gezielt Bakterien infizieren und zerstören. Sie sind hochspezialisiert: Viele Phagen wirken nur gegen ganz bestimmte Bakterienarten. Menschliche Zellen oder andere Mikroorganismen werden dabei nicht angegriffen.

Die häufigsten biologischen Einheiten auf der Erde

Phagen gehören zu den häufigsten biologischen Einheiten unseres Planeten. Weltweit existieren vermutlich etwa 10³¹ Phagenpartikel, eine Zahl, die alles andere Lebendige zahlenmäßig übersteigt. Phagen kommen überall dort vor, wo Bakterien leben, also in Böden, Gewässern, Pflanzen, Tieren und auch im Menschen.

Natürlicher Teil unseres Mikrobioms und therapeutisch nutzbar

Auch im menschlichen Körper sind Phagen ein natürlicher Bestandteil des Mikrobioms, besonders im Darm, auf der Haut und auf Schleimhäuten. Sie helfen dabei, das bakterielle Gleichgewicht zu regulieren und übermäßiges Wachstum einzelner Bakterien zu begrenzen. Die therapeutische Nutzung knüpft an dieses natürliche Prinzip an, indem passende Phagen gezielt gegen krankmachende Bakterien eingesetzt werden, ohne andere Mikroorganismen oder menschliche Zellen zu schädigen.

Was ist Phagentherapie?

Die Bakteriophagentherapie ist eine medizinische Behandlung, bei der gezielt ausgewählte Bakteriophagen eingesetzt werden, um krankmachende Bakterien zu bekämpfen. Dabei wird ein natürliches Prinzip genutzt: Phagen infizieren ausschließlich bestimmte Bakterien und vermehren sich nur in diesen. Sobald die Zielbakterien beseitigt sind, verschwinden auch die Phagen wieder aus dem Körper.

Präzise statt breit wirksam

Phagen wirken hochspezifisch und greifen vor allem die Bakterien an, die die Infektion auslösen. Nützliche Bakterien bleiben weitgehend erhalten, das natürliche bakterielle Gleichgewicht wird weniger gestört.

Individuell angepasst

Zu Beginn wird der verursachende Erreger genau bestimmt. Danach werden passende Phagen ausgewählt oder für den Keim zusammengestellt, diese individuelle Auswahl ist ein zentraler Bestandteil der Therapie.

Anwendung und Ziel

Je nach Infektion kann die Behandlung lokal, oral oder intravenös erfolgen und wird ärztlich begleitet. Sie kann allein oder ergänzend zu Antibiotika eingesetzt werden, besonders wenn Standardtherapien nicht ausreichend wirken oder nicht möglich sind.

Wie läuft die Therapie ab?

1
Erregerbestimmung
Ihr Arzt identifiziert den verursachenden Keim durch Abstriche oder Proben aus dem infizierten Gewebe.
2
Phagenauswahl
In einem spezialisierten Labor werden gezielt Bakteriophagen ausgewählt, die genau gegen Ihr Bakterium wirksam sind.
3
Therapieplanung
Ihr Arzt entscheidet über die Art der Anwendung, die Dosierung und die Dauer der Therapie – individuell auf Sie abgestimmt.
4
Behandlung
Die Anwendung erfolgt – abhängig von Art und Ort der Infektion – lokal auf die Wunde, oral oder intravenös.
5
Begleitung & Kontrolle
Ihr Arzt überwacht den Verlauf regelmäßig und passt die Behandlung bei Bedarf an.

Antibiotika wirken nicht mehr

Bei resistenten Erregern, gegen die herkömmliche Antibiotika machtlos sind

Antibiotika Unvertröglichkeit

Bei Allergien oder Kontraindikationen (z.B. Schwangerschaft)

Wiederkehrende Infektionen

Wenn eine Infektion trotz Behandlung immer wieder auftritt

Chronische Wunden

Wenn eine Wunde trotz aller Maßnahmen nicht heilen will

Wann kann Phagentherapie helfen?

Die Phagentherapie wird vor allem dann angewendet, wenn herkömmliche Behandlungen nicht ausreichend wirksam sind.

Phagen - Seit Jahrzehnten zur Wundheilung erprobt

Die Bakteriophagen werden seit den 1920er-Jahren therapeutisch eingesetzt. In mehreren osteuropäischen Ländern wurden bis heute zehntausende Patientinnen und Patienten erfolgreich behandelt. Die US-Arzneimittelbehörde FDA stuft Phagen als grundsätzlich sicher (GRAS) ein.

Keine schweren Nebenwirkungen
Nach aktuellem Wissensstand sind keine schweren Nebenwirkungen bei Patienten aufgetreten
Natürliche Substanz
Phagen kommen überall vor und sind Teil des menschlichen Mikrobioms
Ärztliche Überwachung
Jede Therapie erfolgt aus gesetzlichen Gründen unter strenger medizinischer Kontrolle
Sicherheitsprofil – Übersicht

Häufige Fragen

Grundverständnis & Sicherheit

Sind Phagen gefährlich?

Nein. Bakteriophagen infizieren ausschließlich Bakterien und können menschliche Zellen nicht angreifen. Für den Menschen gelten sie nach heutigem Wissensstand als ungefährlich.

Können sich Phagen im Körper unkontrolliert vermehren?

Nein. Phagen vermehren sich nur, solange passende Zielbakterien vorhanden sind. Sobald diese reduziert oder eliminiert sind, nimmt auch die Zahl der Phagen wieder ab.

Bleiben Phagen dauerhaft in meinem Körper?

Nein. Phagen sind nicht dauerhaft im Körper aktiv. Nach dem Abklingen der Infektion werden sie vom Körper abgebaut oder ausgeschieden.

Können Phagen mein Immunsystem schädigen?

Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand schädigen Phagen das Immunsystem nicht. Im Gegenteil: Der menschliche Körper kommt täglich mit Phagen in Kontakt.

Gibt es Langzeitnebenwirkungen?

Bislang sind keine relevanten Langzeitnebenwirkungen bekannt. Die Therapie wird seit Jahrzehnten angewendet, insbesondere in osteuropäischen Ländern.

Kann ich allergisch auf Phagen reagieren?

Allergische Reaktionen auf Bakteriophagen sind nach aktuellem Kenntnisstand extrem selten und bislang kaum beschrieben.

Medizinische Anwendung

Für welche Infektionen kommt die Phagentherapie infrage?

Die Therapie kann bei bakteriellen Infektionen eingesetzt werden, insbesondere bei:
-antibiotikaresistenten Erregern
-chronischen oder wiederkehrenden Infektionen
-Unverträglichkeiten gegenüber Antibiotika

Kann die Therapie zusätzlich zu Antibiotika durchgeführt werden?

Ja. In vielen Fällen wird die Phagentherapie ergänzend zu Antibiotika eingesetzt. Die Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Können Bakterien gegen Phagen resistent werden?

Ja, Bakterien können sich verändern und auch Mechanismen entwickeln, um sich gegen einzelne Bakteriophagen zu schützen. Um diesem Risiko vorzubeugen, werden in der Bakteriophagentherapie häufig mehrere unterschiedliche Phagen kombiniert, die gleichzeitig gegen dasselbe Bakterium wirken. Durch diese sogenannte Phagenkombination (Phagencocktail) wird es für das Bakterium deutlich schwieriger, Resistenzen zu entwickeln. Darüber hinaus zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass Bakterien, die Anpassungen gegenüber Phagen entwickeln, dabei häufig biologische Nachteile erleiden. In mehreren Studien wurde beobachtet, dass solche Bakterien in bestimmten Fällen wieder empfindlicher gegenüber Antibiotika werden können. Dieses Phänomen wird aktuell intensiv erforscht. Aus diesem Grund wird die Phagentherapie individuell angepasst, eng ärztlich begleitet und bei Bedarf neu bewertet oder mit anderen Therapien kombiniert.

Muss die Therapie wiederholt werden?

Das hängt vom Krankheitsverlauf ab. In manchen Fällen ist eine einmalige Behandlung ausreichend, in anderen kann eine Wiederholung sinnvoll sein.

Wie lange dauert es, bis man eine Wirkung merkt?

Das ist individuell unterschiedlich. Manche Patientinnen und Patienten berichten früh über Verbesserungen, bei anderen zeigt sich der Effekt erst nach Tagen oder Wochen.

Rolle von Arzt & Labor

Wer entscheidet, ob ich für die Therapie geeignet bin?

Die Entscheidung trifft ausschließlich Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt.

Behandelt mich das Labor oder mein Arzt?

Die medizinische Behandlung erfolgt immer durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Das Labor unterstützt fachlich und stellt individuell ausgewählte Phagen bereit.

Wer überwacht den Therapieverlauf?

Die ärztliche Betreuung und Überwachung erfolgt durch Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren behandelnden Arzt.

Was passiert, wenn sich mein Zustand verschlechtert?

In diesem Fall entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt über das weitere Vorgehen und mögliche Therapieanpassungen.

Kann mein Hausarzt die Therapie begleiten?

Je nach Infektion und Situation ist das möglich. In komplexeren Fällen kann eine spezialisierte ärztliche Betreuung sinnvoll sein.

Ablauf & Organisation

Welche Proben werden benötigt?

Die Entscheidung trifft ausschließlicIn der Regel werden Proben des infizierten Materials benötigt, zum Beispiel Abstriche oder Gewebeproben.h Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt.

Wie lange dauert es, passende Phagen zu finden?

Das kann je nach Erreger und Verfügbarkeit unterschiedlich lange dauern – von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen.

Wie wird die Therapie verabreicht?

Je nach Infektion lokal, oral oder intravenös. Die Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Muss ich dafür ins Krankenhaus?

Nicht zwingend. Viele Therapien können ambulant erfolgen.

Kann die Therapie ambulant durchgeführt werden?

Ja, abhängig von Art und Schwere der Infektion.

Muss ich während der Therapie etwas Besonderes beachten?

Das bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt individuell mit Ihnen.

Kosten & Formalitäten

Wer übernimmt die Kosten der Therapie?

Die Kostenübernahme ist individuell und hängt von der Krankenkasse sowie der medizinischen Situation ab.

Kann ich einen Antrag bei meiner Krankenkasse stellen?

Ja. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Sie dabei unterstützen.

Entstehen mir Kosten, wenn die Therapie nicht wirkt?

Das hängt vom individuellen Behandlungs- und Abrechnungsmodell ab. Bitte klären Sie dies vorab mit Ihrem Arzt.

Benötige ich eine spezielle Einwilligung?

Ja. Vor Beginn der Therapie erfolgt eine ausführliche ärztliche Aufklärung und eine schriftliche Einwilligung.

Ist die Therapie in Deutschland erlaubt?

Ja. Die individualisierte Bakteriophagentherapie ist in Deutschland rechtlich zulässig.

Erwartungen & Hoffnung

Wie hoch sind meine Chancen, dass die Therapie hilft?

Die Erfolgsaussichten sind individuell unterschiedlich und nicht garantiert. In vielen dokumentierten Fällen konnte jedoch eine Besserung erzielt werden.

Für wen hat die Therapie besonders gute Erfolgsaussichten?

Insbesondere bei klar identifizierten bakteriellen Erregern und therapieresistenten Infektionen kann die Therapie sinnvoll sein.

Kann die Therapie auch bei chronischen Infektionen helfen?

Ja, gerade bei chronischen Infektionen wird sie häufig in Betracht gezogen.

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